Behinderung – Versuch einer Definition

(Quelle: FlickrCC, Autor: twicepix) Dieses Rollstuhlsymbol wird meistens für den Begriff Behinderung verwendet.

Kaum ein Wort kann die Gemüter so erhitzen wie „Behinderung“ oder „behindert“. Was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff? Der Versuch einer Definitionssammlung.

Sind wir nicht alle mehr oder weniger behindert?

Die Antwort lautet: Ja, sind wir! Nein, sind wir nicht! Also was jetzt?

Was ist das überhaupt: Behinderung? Wem wird sie zugeschrieben?

Behinderung – Was ist das?

Schenken wir Wikipedia Glauben, dann verhält es sich mit der Definition von Behinderung so: „Behinderung bezeichnet eine dauerhafte und gravierende Beeinträchtigung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Teilhabe beziehungsweise Teilnahme einer Person, verursacht durch das Zusammenspiel ungünstiger Umweltfaktoren (Barrieren) und solcher Eigenschaften der behinderten Person, die die Überwindung der Barrieren erschweren oder unmöglich machen. Behindernd wirken in der Umwelt des behinderten Menschen sowohl Alltagsgegenstände und Einrichtungen (physikalische Faktoren) als auch die Einstellung anderer Menschen (soziale Faktoren).“

Behinderung laut Sozialgesetzbuch

Mit der Definition von Behinderung nach §2 Absatz 1 Sozialgesetzbuch IX: „Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht und daher ihre Teilhabe am Leben der Gesellschaft beeinträchtigt ist.”

Diese Abgrenzung scheint relativ nachvollziehbar. Um von einer Behinderung sprechen zu können, bedarf es demnach einer Erschwerung der unmittelbaren Lebensverrichtung oder der Teilhabe am Leben in der Gesellschaft.

Behinderung wird demnach von Normvorstellungen und Relativierungsfaktoren der Gesellschaft festgelegt. Wie diese Normen auszusehen haben und was in einer Gesellschaft als behindert gilt, hängt von unausgesprochenen und gesetzlich festgelegten Norm- und Wertevorstellungen ab.

Dabei sorgt der Begriff Behinderung auf der einen Seite für Schutz, Förderung und Hilfe, auf der anderen Seite aber steht die Stigmatisierung, Diskriminierung und Etikettierung.

Behinderungsarten sind oft schwer trennbar

Bei Mehrfachbehinderungen, also Behinderungen, die sich aus mehreren Behinderungsarten zusammensetzen, wird es richtig umfassend.

Als Behinderungsarten gelten:

  • geistige Behinderung
  • seelische Behinderung
  • Hörschädigung (Gehörlosigkeit + Schwerhörigkeit)
  • Körperbehinderung
  • Lernbehinderung
  • Sehschädigung
  • Sprachbehinderung
  • Verhaltensstörung

Das ist in der Theorie einfach nachvollzieh- und trennbar. Eine eindeutige Abgrenzung speziell zwischen körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen ist jedoch kaum möglich in der Praxis.

Behinderung ist Abgrenzungssache

(Quelle: FlickrCC, Autor: bigweasel) Behindert oder nicht? Das hängt ganz von Ihrer persönlichen Einstellung ab.

Letztendlich wird jeder Mensch „Behinderung“ ein bisschen anders abgrenzen. Wie genau hängt von dem jeweiligen persönlichen Menschenbild ab.

„Behindert ist, wer behindert wird“, heißt ein Slogan der Caritas Österreich. Durchaus wahr. Vielleicht aber noch wahrer ist es, diesen Slogan ein bisschen umzuwandeln: „Behindert ist, wer sich behindert fühlt“ – denn das kann beides sein, das Gefühl sich selbst behindert zu fühlen oder durch die Gesellschaft behindert zu werden. Und meist werden wir eher behindert als das wir uns behindert fühlen.

 

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